Professor Julia Hauer: Warum spezialisierte Versorgung für kranke Kinder unverzichtbar ist

01. Januar 2025

Die medizinische Versorgung von Kindern steht in Deutschland unter starkem Druck. Professor Julia Hauer macht klar: Kinder würden nicht vergessen, aber ihre besonderen Bedürfnisse werden im aktuellen Gesundheitssystem zu oft nicht ausreichend mitgedacht.

Komplexe Erkrankungen – einfache Strukturen? Ein Problem.

Kinder leiden deutlich häufiger an seltenen und komplexen Erkrankungen als Erwachsene. Doch ausgerechnet die Krankenhausreform streicht spezialisierte Leistungsgruppen für die Kindermedizin. Für Professor Hauer ist das fatal: Kinder bräuchten mehr Zeit, mehr Expertise und mehr Fachärztinnen und Fachärzte mit Subspezialisierungen – etwa in Neurologie, Onkologie oder Nephrologie.

Gleichzeitig sind die Vorhaltekosten in Kinderkliniken deutlich höher. Ein MRT dauert bei Kleinkindern doppelt so lange wie bei Erwachsenen, wird aber identisch vergütet. Diese Strukturen machen spezialisierte Versorgung wirtschaftlich kaum tragfähig.

Digitale Vernetzung entlastet – und schützt Familien

Besonders positiv bewertet Professor Hauer die Fortschritte in der Telemedizin: Die Virtuelle Kinderklinik Bayern und TelEmergencyKids erleichtern die Zusammenarbeit zwischen Kliniken erheblich. So kann Expertise aus großen Zentren direkt in kleinere Häuser übertragen werden. Für Familien bedeutet das: weniger Wege, schnellere Hilfe, bessere Sicherheit.

Früherkennung als Schlüssel

Große Chancen sieht Professor Hauer zudem in der Genetik und im Neugeborenen-Screening: Je früher seltene Krankheiten erkannt würden, desto besser ließen sich Therapien steuern und Krankheitsverläufe beeinflussen. Doch die Diagnostik sei anspruchsvoll und erfordere langfristige Investitionen.

Professor Hauer appelliert

Professor Hauers Botschaft ist eindeutig: Kinder brauchen ein Gesundheitssystem, das Zeit, Spezialisierung und stabile Finanzierung bietet. Denn Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und ihre Versorgung darf nicht vereinfacht, sondern muss ernst genommen werden.

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